| Klosteranlage | St. Jakobspilger |
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Klosteranlage Werthenstein und die Geschichte der Wallfahrt In der Emme wurde früher Gold gewaschen. Um das Jahr 1500 verspätete sich eines Abends ein Goldwäscher aus den Niederlanden, weshalb er gegenüber der heutigen Kirche unter einem Felsvorsprung sein Nachtlager errichtete. Als er sein Nachtgebet verrichtete, hörte er jenseits der Emme bei der Bergruine «ein gar herrlichs, lieblichs und süesses Gesang», aus dem er schloss, «es müsste ein englisch und himmlisch Gesang seyn» (aus Niklaus Ratzenhofers kurzer Erzählung des Ursprungs und der Wunderzeichen des Gotteshauses Unserer lieben Frau zu Werthenstein, München 1628). Von nun an blieb dieser Niederländer in der Gegend, und nachdem sich die Erscheinung des Goldwäschers im Volke herumgesprochen hatte und verschiedene wunderbare Heilungen erfolgten, wurde das vom Goldwäscher selbst errichtete Gebetshäuschen im Jahre 1520 durch eine Kapelle mit drei Altären ersetzt. Der gleiche Bischof, der diese Kapelle am 28. August 1520 eingeweiht hatte, nahm wenige Tage vorher die Weihe der neu renovierten Wallfahrtskapelle von Frybach in der Pfarrei Grossdietwil vor. ![]() Im Jahre 1529 wurde die Kapelle Frybach, die im Volk beliebt war, aufgrund des Beschlusses der Berner Regierung, die Reformation durchzuführen, abgetragen. Das weitherum verehrte Gnadenbild in der Kapelle Frybach konnte aber nach Werthenstein gerettet werden. Dieses Gnadenbild, eine Pietà, wurde nun zum Zentrum der neuen Wallfahrt, und schon im Jahre 1531 gründete die Stadt Sursee eine Bruderschaft der Schmerzhaften Mutter von Werthenstein. Viele Bittgänge, die früher zur Pietà in Frybach gehalten wurden, führten nun nach Werthenstein. Um 1535 erwarb die Regierung von Luzern von Friedli Bachmann ein Gut in Werthenstein, und die Stadt Luzern beschloss 1571, nachdem sie durch Feuer und Wasser viel gelitten hatte, jedes dritte Jahr am Donnerstag vor Pfingsten mit den Männern nach Werthenstein und mit den Frauen nach Ebikon zu wallfahren. Das älteste noch vorhandene Votivbild stammt aus dem Jahre 1580. Es wurde von den Deutschordensrittern Georg und Heinrich von Werdenstein, schwäbische Adelige, gestiftet. Es zeigt die Pietà zusammen mit dem Familienwappen, das in der Folge für Werthenstein übernommen wurde. Dieses älteste Votivbild von Werthenstein hängt heute an der Südwand im Kirchenschiff. Anno 1584 erhielt die Kapelle eine Orgel und 1592 erbaute der Staat anstelle des alten Speichers ein neues Wirtshaus. Anschliessend wurde nahe beim Wirtshaus ein Sigristenhaus errichtet, und um 1600 war der Pilgerstrom derart gross, dass die Kapelle die zahlreichen Pilger nicht mehr fassen konnte. So wurde, insbesondere auf Ersuchen des Ruswiler Pfarrers Ludwig Schwytzer, in den Jahren 1608 bis 1616 die heutige Kirche erbaut. 1630 bis 1636 folgte der Bau des Klosters, in welches die Franziskaner einzogen, um die grosse Pilgerschar zu betreuen. Noch heute wird der grosszügig angelegte Kreuzgang bestaunt, der im Anschluss an den Klosterbau vollendet wurde. Kaspar Melinger erhielt den Auftrag, an die Wände der Umfassungsmauern einen Franziskus-Zyklus zu malen. Diese Wandbilder wurden in den Jahren 1775 bis 1779 von Josef Reinhard, Horw durch die heute noch bestehenden (aber arg beschädigten) Wandbilder ersetzt. In der Hochblüte der Wallfahrt (im 17. und angehenden 18. Jahrhundert) pilgerten pro Jahr mehrere zehntausend Menschen nach Werthenstein, um hier Mut, Trost, Zuversicht und Heilung zu erbitten. Die Franziskaner haben über 400 Wunderzeichen festgehalten. Auch die Quelle am Weg zur Wallfahrtskirche, die 1636 erstmals erwähnt wird, erfreut sich heute noch grosser Beliebtheit. ![]() Die politisch bewegte Zeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts bekam auch Werthenstein zu spüren. Zusammen mit anderen Klöstern wurde im Jahre 1838 auch das Kloster Werthenstein durch die Luzerner Regierung aufgehoben und das Mobiliar im Jahre 1839 versteigert. Kurze Zeit später dienten die Klosterräumlichkeiten vorübergehend als Taubstummenanstalt, und die Kirche wurde nun ausschliesslich als Pfarrkirche benützt, nachdem sich Werthenstein im Jahre 1808 von der Pfarrei Wolhusen loslöste und eine eigene Pfarrei gründete. Die Wallfahrt selber brach nie ab, und in den letzten Jahren scheint sie einen Aufschwung zu erleben. Ebenso wird die in den Jahren 1972 bis 1974 renovierte Kirchen- und Klosteranlage heute noch täglich besucht. Die kunsthistorisch interessanten Gebäulichkeiten werden in mehreren kunstgeschichtlichen Werken umfassend dargestellt und als Kunst- und Kulturjuwel von nationaler Bedeutung gewürdigt.
Kontakt: pfarrei.werthenstein@bluewin.ch |
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||