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St. Jakobspilger

Unterwegs nach Santiago de Compostela in Spanien: Millionen von Menschen haben über Jahrhunderte diese Reise unter die Füsse genommen. Seit letztem Jahr ist eine rund 400 Kilometer lange Hauptroute durch die Schweiz ausgeschildert, vom Bodensee zum Genfersee.

Um Missverständnissen vorzubeugen: den Jakobsweg gab es früher nicht. Was sich uns heute als Jakobsweg durch die Schweiz präsentiert, ist eine vom Inventar historischer Verkehrswege (IVS), von den Schweizer Wanderwegen (SAW), dem Regionalverband Einsiedeln (REV) und weiteren Fachkreisen bestimmte Hauptroute, die, wo immer möglich (z.T. drängten Autostrassen Änderungen auf), historisch belegten Pilgerrouten folgt. Mittelalterliche Pilgerstrassen können nicht als feste Grössen betrachtet werden. Umweltbedingte Einflüsse (Hochwasser, Schnee usw.) zwangen mitunter zu kurzfristigen Routenänderungen. Die Pilger des Mittelalters hatten zudem kein eigenes Wegnetz, sie folgten jenen Wegen, die auch von Kaufleuten, Gesellen, Bauern und Soldaten benutzt wurden. Von daher wurde unser Land nicht auf einem einzigen Hauptweg durchwandert, vielmehr müsste von einem Pilger-Korridor durch die Schweiz gesprochen werden.

Wer sich früher aus dem Raum Schweiz/Süddeutschland auf den Weg nach Santiago aufmachte, musste mit einer Reisedauer von mindestens einem halben Jahr rechnen. Auch wenn das Fernziel dabei stets vor Augen blieb – das Grab des Apostels Jakobus in Santiago – so beinhaltete die Reise dorthin stets zahlreiche Abstecher. Links und rechts des Weges wurden lokale Wallfahrtsstätten aufgesucht, hier und dort galt es, den Segen dieses oder jenes Heiligen einzuholen. Einer dieser wichtigen Pilgerorte war Einsiedeln, wo sich die Marienwallfahrt mit Pilgerströmen aus weiten Teilen Europas seit dem 13. Jahrhundert nachweisen lässt. Bald entwickelte sich Einsiedeln zu einem eigentlichen Sammelpunkt für Jakobspilger. Ein Pilgerführer aus dem Jahr 1495 empfiehlt: «Darum sollst fröhlich damit beginnen und sollst zuerst nach Einsiedeln gehen…».


Mit den Füssen beten

Warum Santiago? Weil dort der im Jahre 44 hingerichtete Apostel Jakobus begraben liegt. So erzählt es die Legende und auf dieser wurde aufgebaut; über der im 9. Jahrhundert «entdeckten» Grabstätte entstand eine Jakobs-Kapelle, später die noch heute zu bestaunende Kathedrale. Santiago wurde zum Gegenzentrum des vom Islam beherrschten Spaniens und Jakobus zum Nationalheiligen, zum Beschützer des Christentums.

Unter den drei grossen Wallfahrten des Mittelalters (Petersgrab in Rom, Heiliges Land) war Santiago die bedeutendste. Millionen zählende Pilgerscharen waren unterwegs. Und selbstverständlich wäre es naiv, die Pilgerreisen dieser Menschen einzig und allein auf religiöse Motive zu beschränken. Die Pilger des Mittelalters werden heute auch gerne als die ersten europäischen Touristen bezeichnet.

Das Wort Pilger ist auf das lateinische Peregrinus zurückzuführen, was so viel wie fremd, Fremdling bedeutet. Demnach ist der Pilger ein Mensch, der die gewohnte Umgebung hinter sich lässt, er ist einer, der aufbricht, sich Neuem aussetzt und öffnet: Der Pilgerweg wird zum Sinnbild des Lebensweges, und Pilgern kann zum Selbstfindungsprozess werden. Darin dürfte ein Teil der Faszination stecken, die in der heutigen hochtechnisierten Welt erneut Hunderttausende auf die Pilgerwege lockt. Ein reformierter Zürcher Pfarrer prägte unlängst das Wort: «Pilgern ist Offen-Sein, Pilgern ist ein Mit-den-Füssen-Beten».





Das CH-Wegsystem

Es war 1987, als der Europarat die Pilgerwege nach Santiago als erste Kulturwege Europas bezeichnete. In der Schweiz führte dies schliesslich zur Ausschilderung einer rund 400 km langen Hauptroute mit diversen «Varianten». So ist Einsiedeln sowohl ab Rorschach (via St. Gallen, Herisau, Wattwil) zu erreichen wie auch über den Schwabenweg durch den Thurgau Richtung Märstetten, Fischingen, Hörnli, Rapperswil, Etzelpass. Zweigleisig verläuft die Route auch in der Zentralschweiz, da ist einerseits die Brünig-Variante mit den Stationen Stans, Sarnen, Sachseln, Brienz, Spiez, Thun, Rüeggisberg, und andererseits jene ab Luzern Richtung Werthenstein, Willisau, Huttwil, Lueg, Burgdorf, Krauchthal, Muri. Ebenfalls zwei Routen ausgeschildert sind ab Freiburg: die Hauptlinie Richtung Kloster Hauterive, Romont, Moudon, und die Variante Freiburg-Payerne-Broyetal-Moudon. Ab Lausanne schliesslich folgt der Weg dem Seeufer nach Genf.




Die Klosteranlage Werthenstein am Jakobsweg

Die Klosteranlage Werthenstein auf dem Felsvorsprung in der idyllischen Gemeinde Werthenstein bietet den Pilgern allerhand. Man kann sich kulturell mit dem Kloster auseinandersetzen oder direkt im Missionshaus der Klosteranlage übernachten (Zimmer und Frühstück für Fr. 30.-). Falls Sie von diesem Angebot Gebrauch machen wollen, melden Sie sich bitte beim Pfarramt Werthenstein, 6106 Werthenstein (Tel. 0041 (0)41 490 12 65). Den Pilgerpass wird Ihnen im Kloster Werthenstein abgestempelt.
Das Kloster Werthenstein freut sich, Sie nächstens als Pilger zu beherbergen.


Mehr zum Jakobsweg finden Sie auf folgender Homepage:
www.unterwegssein.ch
www.jakobsweg.ch